Was tun im Ernstfall?

Seit dem letzten Eintrag bin ich mehrmals geflogen. Der erste Flug war in einem Simulator, denn es sollte in den kommenden Tagen darum gehen was man macht wenn mitten im Flug der Motor versagt. Eine Möglichkeit ist sicherlich sein letztes Gebet zu sprechen, aber wir wollten uns eher um die zweite Möglichkeit kümmern, denn selbst in so einem Fall ist noch lange nicht aller Tage Abend. Das magische Wort um das es gehen sollte war: Autorotation.

Was das bedeutet? Ganz einfach: selbst ein Hubschrauber kann segeln und das unter guten Umständen sogar ziemlich weit. Selbstverständlich geht es dabei ständig nach unten. Die Rotation des Hauptrotors wird in einer Autorotation von der von unten nach oben strömenden Luft erhalten. Die Rotation erzeugt weiterhin Auftrieb der den Fall nach unten abbremst und uns Kontrolle über den Heli gibt.

Mein erster Kontakt mit der Autorotation fand also im Simulator statt. Zum Glück, denn dort bin ich einige Male virtuell gestorben. Das Allerwichtigste dabei ist, sofort den Collective (diese “Handbremse” im Heli) schnell nach unten zu drücken um die Drehzahl zu erhalten. Danach hat man je nach Höhe relativ viel Zeit in einem schönen Glide Richtung Boden zu segeln. Dort muß man dann den Fall abbremsen, den Heli wieder waagrecht ausrichten und dann sanft auf dem Boden landen.

Am nächsten Tag sollte der Spaß dann im Heli stattfinden. Wir flogen also wieder in die West Practice Area und gewannen an Höhe. Auf ungefähr 2000 Fuss Höhe sollte dann die Achterbahnfahrt starten. Collective runter, Gas weg und schon segelten wir in einer himmlischen Ruhe dem Boden entgegen. Dabei muß man “nur” drauf achten die Rotordrehzahl im grünen Bereich zu halten und ein wenig mit dem Collective spielen. Aber es reichen schon sehr kleine Bewegungen. Auf ca. 1000 Fuss haben wir dann Gas gegeben um wieder aufzusteigen und das Ganze von Vorne zu beginnen. Nun mit dem sogenannten “Flare”, also dem Abbremsen. Dabei lehnt sich der Heli sozusagen zurück, die Nase zeigt in den Himmel um die Sinkrate und die Geschwindigkeit zu verringern.

Das haben wir ein paar mal gemacht und eigentlich war es garnicht so schwer wie ich mir das vorgestellt hatte. Zumindest bis zum nächsten Tag, wo wir das dann auf dem Flughafen in Bodennähe machen sollten.

Einen Tag später also flogen wir wieder im schon bekannten Charlie-Pattern nur schlappe 500 Fuss über dem Boden. Collective runter, Gas weg … hm, daß uns der Boden so schnell entgegenkommt hätte ich nicht gedacht. Es war nicht wirklich schlimm, aber es kommt einer Achterbahnfahrt doch ziemlich nahe. Nachdem Jon mir gezeigt hatte wie es funktioniert war ich – natürlich mit seiner Hilfe – an der Reihe.

Den Boden vor Augen zu haben hat doch einen gewissen psychologischen Effekt. Irgendwie hatte ich das Gefühl mich im Sitz etwas nach hinten gedrückt zu haben, doch letztendlich klappte es ganz gut. Wir machten das einige Male und zum Schluss hatte ich das Gefühl im Notfall vielleicht doch überleben zu können.

Als wir dann wieder am Boden waren erntete Jon einen skeptischen Blick von mir als er sagte er glaube ich hätte sogar jede Autorotation überlebt. Vielleicht hatte er sogar Recht. Aber ganz sicher hätte unser Helikopter nicht jede überlebt.

Heute kamen noch Hover-Autorotationen dazu. Im Vergleich zu den richtigen sind diese ziemlich unspektakulär, da sie nur aus geringer Höhe stattfinden. Am Anfang nur einige Zentimeter. Eingeleitet hat Jon diese Autotationen auf dem Boden. Der Collective wurde nur soweit angehoben, daß der Heli nicht abhob, aber ganz “leicht” ist. Er hat sozusagen kein Gewicht mehr auf dem Boden, fliegt aber auch noch nicht. Er drehte einfach das Gas ab und da merkt man dann schön Newtons drittes Gesetz – für jede Aktion gibt es eine gleiche, entgegengesetzte Reaktion. Der Hauptrotor verursacht keine Gegenrotation des Helis mehr, aber der Heckrotor versucht weiterhin dagegenzuarbeiten. Der Effekt ist, daß sich der Heli wie ein Kreisel nach links dreht. Da wir aber nicht schwebten war nach einer 180-Grad Drehung innerhalb einer Sekunde auch schon Schluss.

Nun das selbe ein paar Zentimeter in der Luft, allerdings mit rechtem Pedal um dieser Drehung entgegenzuwirken. Kurz vor dem Aufsetzen auf dem Boden muss mit mehr Auftrieb – also Collective hochziehen – nur noch der Fall abgebremst werden und man landet sanft.

Als ich an der Reihe war fühlte ich mich allerdings nicht sanft abgesetzt, sondern eher wie ein Flummi. Nach mehreren Versuchen ging es zumindest ein wenig besser.

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